…und wie Eltern frühzeitig unterstützen können
Dein Kind stolpert oft, meidet Spielplatzgeräte oder hat Angst beim Balancieren?
Dann könnte das Gleichgewichtssystem eine Extraportion Aufmerksamkeit brauchen.
Ich sehe häufig Kinder, die ungeschickt, schüchtern oder motorisch unsicher wirken. Dahinter steckt meistens keine Faulheit oder Unlust, sondern ein unausgereiftes Gleichgewichtssystem, das im Alltag überfordert ist.
Wie funktioniert Gleichgewicht eigentlich?
Unser Gleichgewicht ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt im Körper:
- Das Innenohr (Vestibularsystem) erkennt, ob wir kippen, uns drehen oder neigen.
- Die Augen liefern Orientierung im Raum besonders bei Bewegung.
- Die Tiefensensibilität (Propriozeption) meldet, wo sich unsere Muskeln und Gelenke gerade befinden.
Diese drei Systeme liefern pausenlos Informationen ans Gehirn. Dort werden sie blitzschnell verarbeitet, damit wir:
- sicher stehen
- Treppen steigen, ohne zu stolpern
- uns im Raum bewegen, ohne ständig anzustoßen
Alle Infos landen im Gehirn und müssen dort schnell und zuverlässig verarbeitet werden. Nur dann können Kinder sich sicher bewegen, springen, klettern oder balancieren.
Hat mein Kind Gleichgewichtsprobleme?
Nicht jedes Kind, das mal hinfällt, hat ein Problem. Aber es gibt typische Hinweise, dass das Gleichgewichtssystem Unterstützung braucht:
- Häufiges Stolpern oder Hinfallen ohne ersichtlichen Grund
- Hat eine niedrige Körperspannung oder wirkt „schlapp“
- Fühlt sich auf Spielgeräten schnell unsicher oder hat Angst (z. B. Rutsche, Schaukel, Karussell)
- Schwierigkeiten beim Rollerfahren oder Fahrradfahren
- Unlust oder Angst bei schnellen Bewegungen, schnell reizüberflutet in bewegungsreichen Umgebungen
- Schwierigkeiten beim Balancieren, meidet schaukelnde oder drehende Bewegungen
- Empfindlichkeit beim Haarewaschen oder Kopfneigen
- Schwierigkeiten, Blick und Körper gleichzeitig zu koordinieren (z. B. Ball fangen, Zielspringen)
- Bewegungsunruhe oder im Gegenteil: sehr vorsichtiges Verhalten
Viele Kinder können ihre Empfindungen nicht gut beschreiben. Sie sagen dann Dinge wie:
„Ich mag das nicht!“ oder „Mir ist komisch im Bauch!“
Wichtig: Jedes Kind ist individuell. Ein einzelner Punkt ist noch kein Grund zur Sorge.
Warum das Gleichgewicht so wichtig ist
Ein gut funktionierendes Gleichgewicht ist die Basis für alle grobmotorischen und feinmotorischen Fähigkeiten. Kinder mit einer unausgereiften Gleichgewichtswahrnehmung haben oft auch:
- Schwierigkeiten beim Schreibenlernen (weil die Sitzhaltung instabil ist)
- Konzentrationsprobleme (weil das Gehirn ständig mit dem Gleichgewicht beschäftigt ist)
- Geringes Selbstvertrauen in Bewegungssituationen
Wenn das Gleichgewicht „unsicher“ ist, ist das Gehirn ständig damit beschäftigt, den Körper zu stabilisieren und hat weniger Kapazitäten für alles andere, z. B. Denken, Spielen, Lernen.
Wie kann ich das Gleichgewicht meines Kindes im Alltag fördern?
Das Beste: Gleichgewicht lässt sich wunderbar spielerisch trainieren ganz ohne Druck oder Therapiegeräte. Hier ein paar Ideen für den Alltag:
1. Drehen & Schaukeln
- Karussell fahren, Drehen, Schaukeln, Hängematte
- ➜ trainiert das Gleichgewichtsorgan im Innenohr
- Wichtig: Manchen Menschen wird bei Drehbewegungen schnell schwindelig. Auch bis zu 48 Stunden später, kann es noch zu Schwindel kommen! Starte langsam und beobachte genau.
2. Balancieren
- Bordstein, Baumstämme, Slackline im Garten, Seile auf dem Boden, Hindernis-Parcours mit Kissen, Stühlen, Decken
- ➜ fördert Koordination, Bewegungsplanung und Körperspannung
3. Spiele mit Augen & Bewegung
- „Blick fixieren & Kopf bewegen“ (z. B. auf einen Punkt schauen und dabei Ja-/Nein-Bewegungen mit dem Kopf machen)
- „Fang den Ball“ in unterschiedlichen Höhen und Richtungen
- ➜ trainiert die Zusammenarbeit von Augen, Innnohr, Bewegung, Gleichgewicht
4. Augen zu und los!
- Barfußlaufen auf verschiedenen Untergründen (Gras, Sand, Teppich) fördert die Fußmuskulatur und die Tiefenwahrnehmung
- Hindernisparcours mit verbundenen Augen
- ➜ stärkt die Tiefensensibilität und das Vertrauen in den Körper
5. Klettern & Krabbeln (zum Thema Klettern lies auch https://www.melanie-altenkamp.com/warum-ist-klettern-und-bouldern-entwicklungsfoerdernd/)
- Krabbelspiele, Kletternetze, Höhlen bauen
- ➜ stärkt Gleichgewicht und Eigenwahrnehmung
Wichtig!:Ein überreiztes Gleichgewichtssystem braucht auch Pausen. Achte auf ausreichend Ruhezeiten, kuschelige Rückzugsorte und einen geregelten Tagesablauf.
Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn du das Gefühl hast, dein Kind:
- wirkt dauerhaft unsicher in Bewegung
- meidet körperliche Aktivitäten, obwohl es gesund ist
- hat Schwierigkeiten beim Lernen, bei der Konzentration oder wirkt schnell überfordert
- klagt über Schwindel, Übelkeit oder Ängste bei bestimmten Bewegungen
Dann kann eine Abklärung sinnvoll sein.
Ich zeige Euch gerne Übungen für zu Hause, die schon helfen spielerisch, das Gleichgewicht nachhaltig zu verbessern.
Kinder müssen nicht perfekt balancieren oder immer sicher sein, aber sie sollten Freude an Bewegung haben und sich in ihrem Körper wohlfühlen.
Wenn du merkst, dass dein Kind oft „aus dem Gleichgewicht gerät“ körperlich oder emotional, dann lohnt sich ein zweiter Blick.
Denn oft sind es genau diese leisen Signale, die uns zeigen, wo dein Kind gerade Unterstützung braucht. Und das Schöne ist: Man kann so viel tun, mit Spaß, Spiel und Bewegung!
Fragen? Sorgen? Oder du möchtest wissen, ob dein Kind von einem Gleichgewichtstraining profitieren könnte?
Melde dich gern für ein unverbindliches Schnuppergespräch!

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Ich bin Melanie und es ist meine Herzensaufgabe, Menschen im Alltag zu ihrer größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen. Sowohl z.B. Kindern mit Wahrnehmungsproblemen sowie Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder zu ihrer Stärke finden möchten. Ich zeige online, wie es gelingen kann, gezielt die individuellen Bedürfnisse zu fördern. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, dass du oder dein Kind wieder mit Selbstvertrauen und Unabhängigkeit den Alltag meistern kannst!
