Wie Bewegung Vertrauen wachsen lässt
Es gibt manchmal Erfahrungen, die uns nicht mehr loslassen.
Für mich gehört das Klettern genau dazu.
Ich arbeite ich jeden Tag mit Menschen daran, neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken, Grenzen zu überwinden und Vertrauen in den eigenen Körper zugewinnen. Doch erst durch meine eigene Erfahrung beim Klettern habe ich verstanden, wie tiefgreifend diese Bewegungsform eigentlich wirkt.
Deshalb mache ich aktuell die Weiterbildung im therapeutischen Klettern.
Nicht nur aus fachlichem Interesse, sondern weil ich selbst erlebt habe, wie befreiend es sein kann, sich Schritt für Schritt über die eigenen Grenzen hinauszubewegen.
Die ersten Meter an der Wand waren für mich nicht einfach.
Höhe auszuhalten.
Loszulassen.
Dem Sicherungspartner zu vertrauen.
Dem eigenen Körper zuzutrauen, den nächsten Griff zu erreichen.
Und genau darin liegt für mich die besondere Kraft des therapeutischen Kletterns.
Klettern ist nicht einfach nur Hobby oder Sport.
Es ist Begegnung mit sich selbst.
Der Aufforderungscharakter der Wand
Was mich immer wieder fasziniert:
Eine Kletter- oder Boulderwand braucht oft gar nicht viele Worte.
Die bunten Griffe und Tritte laden sofort zum Ausprobieren ein.
Kinder beginnen intuitiv zu klettern, Erwachsene werden neugierig, ältere Menschen testen vorsichtig ihre Möglichkeiten.
Der Aufforderungscharakter ist enorm.
Selbst Menschen, die sich sonst wenig zutrauen, möchten plötzlich „nur mal kurz“ einen Griff ausprobieren und merken dabei oft gar nicht, wie viele Fähigkeiten sie gleichzeitig trainieren.
Denn therapeutisches Klettern ist unglaublich ganzheitlich.
Es fordert:
- Gleichgewicht
- Körperspannung
- Koordination
- Konzentration
- Kraftdosierung
- Bewegungsplanung
- Ausdauer
- Halteaktivität
- Wahrnehmung
- Selbstvertrauen
und vieles mehr.
Gerade das Bouldern, also das Klettern in Absprunghöhe ohne Seil, ermöglicht häufig einen besonders spielerischen Zugang. Viele Menschen erleben dabei Erfolgsmomente, ohne große Vorkenntnisse zu benötigen.
Wenn der Körper beginnt mitzudenken
Beim Klettern arbeitet nicht nur die Muskulatur.
Das Gehirn arbeitet die ganze Zeit mit.
Welche Hand greift wohin?
Wo ist mein Schwerpunkt?
Wie viel Kraft brauche ich wirklich?
Wie komme ich sicher zum nächsten Tritt?
Diese Kombination aus Bewegung, Wahrnehmung und Handlung macht therapeutisches Klettern aus ergotherapeutischer Sicht so wertvoll.
In dem Blogartikel beschreibe ich, wie Klettern Entwicklung unterstützt und welche Verbindung zwischen Bewegung, Wahrnehmung und Alltagsfähigkeiten besteht. Klettern ist ein „Abenteuer für Körper und Gehirn“. (Melanie Altenkamp)
Im Artikel über Klettern und Stifthaltung erkläre ich, wie durch das Klettern unter anderem:
- die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften,
- die Kraftdosierung,
- die Körperwahrnehmung,
- die Überkreuzung der Mittellinie
- und die Koordination
gefördert werden. Fähigkeiten also, die später sogar für feinmotorische Leistungen wie Schreiben wichtig sind. (Melanie Altenkamp)
Diese Beobachtungen kann ich aus meiner eigenen Praxis absolut bestätigen.
Vertrauen lernen in sich selbst und andere
Was mich persönlich am meisten berührt, ist die emotionale Ebene des Kletterns.
Denn an der Wand werden Themen sichtbar, die oft weit über Bewegung hinausgehen:
- Angst
- Mut
- Frustration
- Selbstzweifel
- Vertrauen
- Selbstwirksamkeit
Beim gesicherten Klettern entsteht zusätzlich etwas ganz Besonderes:
Man muss lernen, sich auf einen anderen Menschen zu verlassen.
Zu spüren:
„Ich werde gehalten.“
Gerade für Menschen mit Unsicherheiten, Ängsten oder negativen Bewegungserfahrungen kann das stärkend sein.
Auch im therapeutischen Kontext kann sich zeigen, wie positiv sich Klettern auf Selbstbewusstsein und Selbstwert auswirken kann.
Therapeutisches Klettern ist für jedes Alter geeignet
Besonders schön finde ich, dass therapeutisches Klettern generationenübergreifend funktioniert.
Kinder erleben es oft spielerisch und voller Abenteuerlust.
Erwachsene entdecken neue Bewegungsmöglichkeiten.
Ältere Menschen trainieren Gleichgewicht, Koordination und Vertrauen in den eigenen Körper.
Und es geht gar nicht darum, besonders hoch zu kommen.
Manchmal reicht es schon,
- an der Boulderwand das Gleichgewicht zu halten,
- einen neuen Griff auszuprobieren,
- oder den Mut zu finden, einen Schritt weiterzugehen als beim letzten Mal.
Genau dort beginnt Entwicklung.
Mehr als Bewegung
Für mich ist therapeutisches Klettern deshalb viel mehr als ein Trainingskonzept.
Es verbindet Bewegung mit Emotion, Wahrnehmung mit Handlung und Herausforderung mit Erfolgserlebnissen.
Vielleicht begeistert mich das Klettern deshalb so sehr, weil es uns auf eine besondere Weise zeigt:
Wachstum entsteht nicht in der Komfortzone.
Aber oft genau dort, wo wir uns trauen, etwas Neues in „anGRIFF“ zu nehmen.

Ergotherapie trifft auf Mentoring-individuell, von überall und ohne Wartezeit!
Ich bin Melanie und es ist meine Herzensaufgabe, Menschen im Alltag zu ihrer größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen. Sowohl z.B. Kindern mit Wahrnehmungsproblemen sowie Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder zu ihrer Stärke finden möchten. Ich zeige online, wie es gelingen kann, gezielt die individuellen Bedürfnisse zu fördern. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, dass du oder dein Kind wieder mit Selbstvertrauen und Unabhängigkeit den Alltag meistern kannst!
