Mozart, Rock die Klarinette und ich
Ich spiele Klarinette und Saxophon. Ich war in den letzten 4 Wochen auf einem Pop-, einem Rock- und in Prag auf einem Klassikkonzert. Alles fühlt sich richtig an. Vielfalt ist mein Ding, in meinem Beruf, im Leben und eben auch in der Musik. Und genau diese Vielfalt hat mich tiefer in ein Thema geführt, das mich schon lange fasziniert: Was macht klassische Musik mit unserem Gehirn? Und was macht sie mit dem Gehirn unserer Kinder, manchmal sogar noch bevor sie das Licht der Welt erblicken?
Schon vor der Geburt: Töne im Mutterleib
Klingt fast magisch, ist aber Wissenschaft: Ab der neunten Schwangerschaftswoche, also bereits in der sogenannten Fetalzeit, sind Geräusche in der Lage, im ungeborenen Kind Lernprozesse auszulösen. Das kleine Wesen hört mit, lernt, verarbeitet. Die Welt beginnt nicht erst an dem Tag, an dem wir atmen.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass klassische Melodien nicht nur die Herzfrequenz von Babys im Mutterleib beruhigen, sondern möglicherweise sogar ihre Entwicklung fördern können. Was die Forscherinnen und Forscher dabei besonders interessiert hat: Sie haben nicht einfach den durchschnittlichen Herzschlag gemessen, sondern ganz feine Schwankungen zwischen den einzelnen Herzschlägen, die sogenannte Herzfrequenzvariabilität. Diese Variabilität gibt Aufschluss über die Entwicklung des autonomen Nervensystems des Fötus.
Mit anderen Worten: Sanfte, strukturierte Musik beeinflusst nicht nur, wie ruhig das Baby im Bauch ist, sie kann aktiv dazu beitragen, wie reif und reguliert sein Nervensystem wird. Das finde ich als Ergotherapeutin schlicht beeindruckend.
„Klassische Musik kann bereits während der Schwangerschaft eine musikalische Brücke zwischen Eltern und Kind schlagen. Eine Brücke, die weit mehr ist als ein bloßes Wiegenlied vor der Geburt.“
Was im Gehirn passiert und warum das so faszinierend ist
Stell dir vor, du legst Mozarts Violinkonzert auf. In diesem Moment passiert in deinem Gehirn mehr, als du vermutlich ahnst. Klassische Musik aktiviert viele Bereiche im Gehirn gleichzeitig, darunter Areale für Sprache, Motorik, Emotion und Gedächtnis.
Und dann ist da noch das Dopamin. Musizieren und Musikhören lösen im Gehirn dieselben Effekte aus wie Essen, Sport oder positive soziale Erfahrungen: Es kommt zu einer Ausschüttung von Endorphinen und einer Verringerung des Stresshormons Cortisol. Zudem wird Dopamin freigesetzt, der Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle im Belohnungssystem spielt und motivierend wirkt.
Eine finnische Studie hat das sogar auf Genebene untersucht. Das Hören von Mozarts Violinkonzert verbesserte die Aktivität von Genen, die an Dopaminsekretion, synaptischer Funktion, Lernen und Gedächtnis beteiligt sind. Kurz gesagt: Klassische Musik macht etwas mit uns, das tief in uns verankert ist bis in unsere DNA.
Das passiert in deinem Gehirn beim Hören
Beim Hören von Mozart steigen die sogenannten Alpha-Wellen deutlich an, das sind jene Hirnwellen, die mit wacher Ruhe, Aufmerksamkeit und mentaler Organisation verbunden sind. Gleichzeitig sinkt Cortisol, das Stresshormon. Konzentration und Entspannung gehen hier Hand in Hand ein Zustand, der in der Ergotherapie aktiv angestrebt wird.
Für Kinder: Konzentrationshilfe und Ruhepol
In meiner Arbeit als Ergotherapeutin begegne ich Kindern, die Schwierigkeiten mit Konzentration, Regulation oder dem Übergang zwischen Aktivität und Ruhe haben. Und ich habe über die Jahre gelernt: der akustische Raum, in dem Kinder sich befinden, ist kein Nebenschauplatz.
Die rechte Region des Gehirns ist für emotionale Intelligenz, Vorstellungskraft und Ausdruck verantwortlich. Auf der linken Hemisphäre kommen kognitive Fähigkeiten, Gedächtnis und Logik ins Spiel. Das Hören von Musik kann all diese Funktionen beeinflussen und verbessern. Klassische Musik ist dabei besonders wertvoll, weil sie ohne Texte auskommt, die sprachverarbeitenden Areale werden also nicht abgelenkt, sondern können sich voll auf die Aufgabe konzentrieren.
Klassische Musik aktiviert mehrere Bereiche des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen verbunden sind. Das Gehirn reagiert auf die sich wiederholende und harmonische Struktur der Musik, indem es Alpha-Hirnwellen produziert, typisch für einen Zustand ruhiger Aufmerksamkeit.
Mozart beim Hausaufgaben machen? Kein Mythos. Sondern Neurologie.
Der Mozart-Effekt: was wirklich dran ist
Ich wäre keine ehrliche Mentorin, wenn ich dir nicht auch sagen würde: Der „Mozart-Effekt“, also die Idee, dass klassische Musik Kinder dauerhaft intelligenter macht, ist in seiner ursprünglichen Form wissenschaftlich überholt. Heute geht man davon aus, dass eine Leistungssteigerung weniger mit Mozarts Komposition zusammenhängt als mit einem grundsätzlichen Wohlbefindens- und Präsenzeffekt, der auch bei anderen bevorzugten Musikstilen eintreten kann.
Was bleibt, ist etwas vielleicht Wertvolleres: Klassische Musik hilft nicht, indem sie Fähigkeiten erzwingt, sondern indem sie günstige innere Bedingungen schafft. Und das als jemand, die mit Kindern arbeitet, ist für mich mindestens genauso bedeutsam.
Mein persönlicher Soundtrack: Vielfalt ist keine Schwäche
Ich erzähle das so offen, weil ich immer wieder höre: „Klassische Musik ist langweilig“. Ich finde es wunderschön, dass ich selbst schon auf der Bühne stand mit der Klarinette in einer Konzertband und dass ich Konzerte besuchen kann, bei denen mir der Bass durch den Körper wummert, und andere, bei denen die Stille zwischen den Tönen das Schönste ist.
Beides hat seinen Platz. Beides tut etwas. Und beides schenkt mir etwas, das ich in meine Arbeit mitbringe.
Wenn du deinem Kind oder dir selbst etwas Gutes tun möchtest, fang klein an: Klassische Hintergrundmusik beim Frühstück. Ich mag Klaviermusik auch von neueren Komponisten wie z.B. Brian Crain. Vielleicht sind für Dich Mozarts Klaviersonaten entspannend. Oder „Die Moldau“, während die Kinder malen. Einfach so als Einladung.
Meine Empfehlungen für den Einstieg
Für Kinder und zum Entspannen: Mozarts Klaviersonaten, Debussys „Clair de lune“.
Für Konzentration: Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, Handels „Wassermusik“.
In der Schwangerschaft: alles Harmonische, Sanfte und was dir selbst gut tut. Denn das spürt dein Kind.
Quellenangaben
- Grahn & Brett (2007): Klassische Musik aktiviert Sprache, Motorik, Emotion, Gedächtnis. In: WRO – Walzer-Wirkung und Gehirnentwicklung
- Rauscher et al. (1993): Mozart-Effekt und räumlich-visuelles Denken. University of California
- Chanda & Levitin (2013): Musikhören, Stresshormone und neuronale Plastizität
- Klassik Radio (2025): Studie zu klassischer Musik und Herzfrequenzvariabilität bei Föten
- Klassik Radio (2026): 270 Jahre Mozart – Alpha-Wellen und Gehirnreaktionen
- SimplyScience (2018): Dopamin, Endorphine, Cortisol – was Musik mit unserem Gehirn macht
- Universität Halle: Wirkung von Musik auf frühkindliche Entwicklung (Habibi et al., 2016; Herholz & Zatorre, 2012)
- PSYLEX: Finnische Studie zu Genexpression beim Mozart-Hören (Violinkonzert Nr. 3, G-Dur, K.216)
- Reybrouck et al. (2018): Musik als klingende Umgebung und Gehirnplastizität
- Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie: Musiktherapie bei Frühgeborenen

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Ich bin Melanie und es ist meine Herzensaufgabe, Menschen im Alltag zu ihrer größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen. Sowohl z.B. Kindern mit Wahrnehmungsproblemen sowie Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder zu ihrer Stärke finden möchten. Ich zeige online, wie es gelingen kann, gezielt die individuellen Bedürfnisse zu fördern. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, dass du oder dein Kind wieder mit Selbstvertrauen und Unabhängigkeit den Alltag meistern kannst!
